30 Minuten für einen freieren Rücken

erscheint im März 2006 bei GABAL in der kleinen Reihe.

Neben allen am Thema Interessierten, die sich den Nacken reiben oder das Kreuz kratzen ist es  vielleicht auch für Freunde des Feldenkrais und der F.M. Alexander-Technik eine spannende Lektüre, da beide Methoden im Mittelpunkt stehen und zusammen gesehen werden.

Ein Auszug aus dem Vorwort.

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich oder direkt hier zu bestellen.

 

Vorwort

Dieses Zeitalter ist angeblich körperlos, Neudeutsch: virtuell. Sie aber sind weiterhin ein körperliches Wesen. Das führt unweigerlich zu Problemen.

 

Mehr als Muskeln!

Üblicherweise suchen Viele bei schmerzendem Rücken die Lösung der Probleme in einer guten Massage, einer wärmenden Fangopackung oder sogar bei schmerzstillenden Spritzen. Diese Anwendungen können momentan äußerst wohltuend und entlastend sein – schon bald aber melden sich dieselben Symptome wieder zurück. Aus Erfahrung ahnen daher die meisten Menschen mit Verspannungsproblemen, dass ein Muskel nicht bloß ein Muskel, „der Rücken“, obzwar schmerzhaft, dennoch ein irgendwie unbekanntes Terrain ist und das ganze Thema (auch noch!) mit Gefühlen zu tun hat.

 

Nutzen Sie Ihr Gehirn!

Obwohl Anspannung und Schmerz sich im Leben nicht vermeiden lassen, ist es ein entscheidender Unterschied, ob diese Signale auch Signalwirkung haben (das wäre gut) oder chronisch – das heißt, im Alltag gewohnheitsmäßig erzeugt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass der Rücken gern als isolierter Teil betrachtet und zu behandeln versucht wird, sowie die Auffassung, Rückenschmerzen seien eine Krankheit - Etwas also, das man hat (so, wie der eine eben glattes, der andere krauses Haar hat),  das einen befällt (wie ein Virus) oder ohne eigenes Zutun zustößt.

 

Dabei sind ein gewohnheitsmäßig verspannter Rücken oder Nacken „bloß“ Ausdruck eines beschränkten Gebrauchs des Gehirns! Und wer gebraucht Ihr Gehirn?

Die in diesem Buch vorgestellten Ansätze nehmen Sie als handelndes Subjekt, als Ganzheit ernst. Sie lernen, engstirnige neuronale Muster zu verlassen, neue Möglichkeitsräume abzustecken, und sich dadurch immer freier zu bewegen, aufrecht zu halten und zu atmen. Ihr Rücken wird es Ihnen danken.

 

Vom Was? zum Wie!

Entscheidend hierfür ist ein Perspektivwechsel. Nicht, was Sie tun führt zu Verspannungen, sondern wie Sie’s tun.

 

Wenn Sie wissen, wie Sie sich bewegen, können Sie sich bewegen, wie Sie wollen.

 

So gesehen gibt es auch keine gute oder schlechte Haltung, Sitzen ist an sich nicht schwer oder anstrengend, und die Form der Möbel kann einen schlechten Gebrauch Ihrer selbst, eine ungünstige Art, sich zu bewegen, nicht kompensieren. Auf einem beliebigen Möbel lässt es sich bequem sitzen – wenn Sie bereit sind, das zu lernen. Wenn nicht – dann kann es Ihnen kein Möbel der Welt recht machen. So, wie ein Gespräch oder eine beliebige Situation niemals „aus sich selbst“ langweilig sein kann – Langeweile oder Spannung liegen in der Art der Betrachtung, also in Ihnen. Wenn Sie einmal verstanden haben, dass es ums Wie geht, nicht ums Was, dann kann Ihnen alles, jede Bewegung, eine Entspannungsübung oder interessante Lernerfahrung  sein.

 

Ein flexibler Rücken ist Ausdruck eines Menschen, der sich selbst gut wahrnehmen und auf seine Wahrnehmungen flexibel zu reagieren gelernt hat.  

 

Die beschriebenen Übungsbausteine werden weltweit mit Erfolg in Feldenkrais Seminare, im NLP sowie in der Alexander-Technik angewendet.

 

Im Einzelnen werden Sie lernen

  • Ihr körperliches Selbstbild zu vervollständigen
  • die Aufmerksamkeit effizient zu gebrauchen
  • Statische Zielfixiertheit aufzugeben
  • Innezuhalten und sich neu auszurichten
  • Eingeschliffene Gewohnheitsmuster zu erkennen und zu verändern
  • Ihren Rücken als Teil des Ganzen begreifen und über das Funktionieren des Ganzen den Zustand des Teils (den Rücken!) verbessern.

Lob dem Komparativ!

Erwerb und Erweiterung dieser Fähigkeiten führt zu einem immer freieren Rücken. Dabei ist die grammatische Form des Komparativs bewusst gewählt, denn:

  • Der Rücken als Teil des ganzen Körpers kennt keine Statik, sondern verhält sich dynamisch. Wortwahl, Sprachgebrauch und Methode tragen dem Rechnung.
  • In diesem Lernprogramm geht es um Verbesserung – nicht um „Heilung“. Während das Denken in der Polarität Krankheit /  Heilung nur zwei Zustände kennt und auf ein statisches Ziel hin ausgerichtet ist (in der rückwärts gewandten Version wäre das das Paradies, in der vorwärts gewandten Utopia), setzt die Idee „Lernen“ in der Gegenwart an, ist diesseitig, alltäglich und prozesshaft.
  • Es gibt kein Ende der Entwicklung in Richtung auf Freiheit und Leichtigkeit. Nicht umsonst üben Tänzer oder etwa Judomeister ihr Leben lang weiter – weil sie mit jedem Mal noch besser werden.

Nun ist es eher unwahrscheinlich, das Sie Tänzer werden wollen – dennoch gilt Gleiches für Ihren Rücken: Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit jeder Bewegung ein kleines bisschen freier werden -  wo stünden Sie dann in einem Jahr?

 

Kopf und Körper

Die Übungen sollen jedes Mal angenehm und anregend sein und jedes Mal eine spürbare Verbesserung ihrer Gesamtorganisation bewirken. Zugleich ist aber vor allem eine mittelfristige Veränderung intendiert, denn die Übungen zielen auf Ihr Unterscheidungsvermögen im Bewegen, auf eine Differenzierung im für Sensomotorik zuständigen Teilen des Gehirns. Diese steuern Ihre Art, sich zu halten und zu bewegen. Dies tut er aufgrund seiner bisherigen Lernerfahrungen, und er verändert sich mit jeder neuen Lernerfahrung. Die Übungen dieses Buches ermöglichen diese.

 

Der Zustand Ihres Rücken ist Ausdruck der Art und Weise wie Sie ihn benutzen. Diese wird vom senoso-motorischen Cortex gesteuert. Das Lernen vermittels Bewegung verändert die „Verschaltungen“ im Kopf - Ihr Bild von sich selbst!

(Aus: “30 Minuten für einen freieren Rücken” bei GABAL 2006

80 Seiten, Preis: 6,50 Euro.