Tragfähigkeit und Differenziertheit der Stimmen von SchauspielerInnen vor und nach einer Aufführung
Pilotstudie
Olaf Nollmeyer

erschienen in L.O.G.O.S. INTERDISZIPLINÄR NR. 3 / 2010

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Ausschnitt:

„Wozu Schauspieler untersuchen?
Das sind doch Stimmprofis,
die haben das doch geübt!“

Zusammenfassung
Tragfähigkeit ist ein wichtiges Leistungskriterium der Stimme von Bühnenschauspielern. Helle Klanganteile, etwa in der Region zwischen 3000 und 4000 Hertz Sängerformant/Sprecherformant) machen eine Stimme tragfähig. Kriterium für ein differenziertes Zusammenspiel der inneren und äußeren Kehlkopfmuskulatur ist unter anderem die Fähigkeit zur fließend leiser werdenden Phonation.

Bei der Untersuchung von vier SchauspielerInnen zeigte sich dieses Leistungskriterium sowie die Fähigkeit zu leiser Phonation nach einer anderthalb Stunden langen Aufführung gemindert. Die Stimmen der SchauspielerInnen leisteten weniger und waren dabei zu weniger Differenzierung fähig.

Für die Stimmpädagogik in Aus- und Fortbildung, die sich oft der Behandlungsmethoden pathologischer Stimmen bedient, stellt sich die Frage, inwieweit die für Tragfähigkeit „zuständigen“ Sängerformanten sowie die Koordination der Register berücksichtigt werden.
 

Im Fokus der Aufmerksamkeit von Forschung und Praxis steht zumeist die pathologische Stimme. Kriterien zu ihrer Erfassung und therapeutische Interventionen, die für diese benutzt werden, helfen Hochleistungsstimmen in ihrer Entwicklung aber nicht notwendigerweise weiter.

Ziel dieser Pilotstudie ist, die sprecherische Hochleistungsstimme, ihre Leistungskriterien und die Minderung dieser als verdeckten Teil des Stimmalltags von Schauspielern in den Blickpunkt zu rücken.

Fragestellung

Wie verändern die Anforderungen einer Aufführung die Leistungsfähigkeit und die Differenziertheit der Stimme von professionellen Schauspielern? Damit verbunden ist auch die Frage, inwieweit diese im Engagement Lernbedarf in Bezug auf Stimmleistung haben, oder ob dieser bereits durch die Ausbildung abgedeckt wurde?